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Arbeitsgruppe KINDER PSYCHISCH KRANKER UND SUCHTKRANKER ELTERN

Homepage der Arbeitsgruppe KINDER PSYCHISCH KRANKER UND SUCHTKRANKER ELTERN

2019

Der Vorstand des Paritätischen hat in seiner Sitzung am 25. Januar 2019 die Positionierung "Kinder psychisch kranker Eltern: Verstehen, aufklären, entstigmatisieren" verabschiedet. Der Paritätische fordert darin die Bundesregierung auf, die 2017 vom Bundestag beschlossenen Aufklärungs- und Entstigmatisierungskampagnen über psychische Erkrankungen 2019 bundesweit zu starten und die dafür notwendigen finanziellen Mittel im Bundeshaushalt 2020 bereitzustellen und auszuweisen.

In Deutschland wachsen gegenwärtig circa 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil auf. Trotz der hohen Anzahl der betroffenen Kinder und Familien fehlen für diese Zielgruppe oft bedarfsgerechte Unterstützungsangebote. Mit Blick auf die prekäre Versorgungslage von Kindern aus psychisch belasteten Familien in Deutschland forderte der Paritätische in seiner ersten Positionierung 2018 u.a. den flächendeckenden Ausbau niedrigschwelliger Hilfe und Beratung auf der Grundlage eines Rechtsanspruchs für Kinder. Der Deutsche Bundestag hat 2017 den Antrag „Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern“ beschlossen. Hierbei wurde gefordert, eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe einzuberufen. Die Arbeitsgruppe konstituierte sich im März 2018, um Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgung von Kindern psychisch kranker Eltern zu erarbeiten.  Zusätzlich zur Arbeitsgruppe hat der Bundestag in dem o.g. Antrag auch beschlossen, dass die Bundesregierung Aufklärungsmaßnahmen starten soll, um die Bevölkerung über psychische Erkrankungen aufzuklären und Fachkräfte, die mit den betroffenen Kindern in Kontakt kommen, zu sensibilisieren. Darüber hinaus sollen mithilfe einer Entstigmatisierungskampagne psychische Erkrankungen enttabuisiert werden. Die Bundesregierung hat dazu bisher nichts unternommen.  Der Paritätische fordert die Bundesregierung deshalb jetzt auf, die Aufklärungsmaßnahmen für die Bevölkerung und die Fachkräfte sowie die geplante Entstigmatisierungskampagne 2019 bundesweit zu starten und die dafür notwendigen finanziellen Mittel in angemessenem Umfang  bereitzustellen. Darüber hinaus ist das Thema „Kinder psychisch kranker Eltern“ in Ausbildung und Studium aller beteiligten Fachkräfte zu verankern.

Paritätische Positionierung

 

                                                                                                                                                                                      

2018

Der Deutsche Bundestag hat im Juni 2017 einstimmig beschlossen (DS: 18/12780), die Situation von Kindern psychisch kranker und suchtkranker Eltern zu verbessern. Er hat die Bundesregierung beauftragt, u.a. eine zeitlich befristete Arbeitsgruppe einzurichten, die einvernehmlich Vorschläge zur Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil psychisch erkrankt ist, erarbeiten soll.
Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD den Faden aufgegriffen und sich vorgenommen, sowohl die Situation von Kindern psychisch kranker Eltern zu verbessern als auch die Schnittstellenprobleme bei ihrer Unterstützung mit dem Ziel einer besseren Kooperation und Koordination der unterschiedlichen Hilfesysteme zu beseitigen.
Der AFET Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. wurde vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ, federführend), Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mit der Geschäftsführung der Arbeitsgruppe KINDER PSYCHISCH KRANKER UND SUCHTKRANKER ELTERN beauftragt.
Am 12.03.2018 konstituierte sich dieses interdisziplinäre und interministerielle Arbeitsgremium.
Die Idee für ein solches ExpertInnengremium wurde federführend vom AFET, dem Institut für Gesundheitsforschung und Soziale Psychiatrie der katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und dem Dachverband Gemeindepsychiatrie in einem Antrag mit weiteren UnterzeichnerInnen aus der Kinder- und Jugendhilfe sowie dem Gesundheitswesen bereits 2014 vorangebracht.

Nähere Informationen finden Sie hier.

 


2017

Erfolg! Deutscher Bundestag beschließt ene AG "Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern"


Bilanz der Bemühungen zur Verbesserung der Situation von Kindern psychisch kranker Eltern

Der AFET hat vor einiger Zeit in einem Bündnis mit vielen Kooperationspartnern aus der Kinder- und Jugendhilfe sowie dem Gesundheitswesen eine Initiative zur Verbesserung der gesetzlichen Lage von Kinder psychisch kranker Eltern gestartet.

Über den aktuellen (Still)Stand informiert der folgende Artikel.

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat die Thematik aufgegriffen und eine Anfrage zu Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern an die Bundesregierung gestellt. (29.09.2016)

Die Fraktion „Die Linke“ hat am 07. April 2017 eine kleine Anfrage an die Bundesregierung zur Situation von Kindern psychisch kranker Eltern gestellt. Die Fraktion bemängelt, dass den 3,8 Millionen Kindern und Jugendlichen von Eltern mit psychischen Erkrankungen, insgesamt deutlich unzureichende Angebote im Bereich Versorgung und Prävention gemacht werden. Insbesondere wird moniert, dass es eine mangelnde Abstimmung zwischen den Leistungsbereichen und Erbringern gibt. Sie verweist darauf, dass Initiativen und Fachleute seit Jahren Verbesserungen anmahnen und fordert die Bundesregierung zum Handeln auf.
Antwort der Bundesregierung

Auch das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat in einem Artikel Bezug genommen auf die Initiative, die der AFET mit Kooperationspartnern gestartet hat. „Über drei Millionen Kinder wachsen mit psychisch kranken Eltern auf. Sie brauchen Hilfe, um seelischen Schaden zu verhindern. Doch dabei hat die Bundesregierung versagt“. Artikel: „In Mamas Schatten“ Ausgabe 20/2017

 


2014

Stellvertretend für Institutionen und Verbände der Kinder- und Jugendhilfe, der Gesundheitsförderung und der Angehörigen psychisch Kranker, für Berufsverbände und für die Wissenschaft reichten am 16. Januar 2014 15 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner beim Familienausschuss und Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages einen gemeinsamen Antrag auf Einrichtung einer Sachverständigenkommission „Hilfen für Kinder und Familien mit psychisch kranken Eltern" ein.

Die Sachverständigenkommission soll die Versorgungssituation von Kindern und Familien mit psychisch kranken Eltern in Deutschland bewerten und den bundesrechtlichen Handlungsbedarf analysieren.

In Deutschland leben etwa 13 Millionen Kinder und Jugendliche. Nach den epidemiologischen Daten aus dem Bundesgesundheitssurvey zur Häufigkeit von psychischen Störungen bei Erwachsenen erleben im Verlaufe eines Jahres etwa drei Millionen Kinder einen Elternteil mit einer psychischen Störung. Fast jedes vierte Kind hat also einen vorübergehenden, wiederholten oder dauerhaften psychisch erkrankten Elternteil. Studien kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass das Erkrankungsrisiko bei Kindern psychisch erkrankter Eltern im Vergleich zu Kindern mit psychisch gesunden Eltern um das Drei- bis Vierfache erhöht ist.

Familien mit psychisch kranken Eltern erhalten Hilfen aus unterschiedlichen Sozialgesetzbüchern und im Einzelfall können dies bis zu fünf und mehr Leistungsgesetze sein. Die sich daraus ergebenden Schnittstellenprobleme und die Vorschläge zu ihrer Überwindung sind in vielfachen Praxisberichten beschrieben worden. Zurzeit ist die planvolle und abgestimmte Hilfe für Kinder und ihre psychisch kranken Eltern ausschließlich von der individuellen Kooperationsbereitschaft einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im SGB II, III, IV, V, VIII, IV und XII abhängig. Nach Aussagen des 13. Kinder- und Jugendberichts mangelt es nicht nur an planvollen rechtlichen Kooperationsgeboten und der Abstimmung aller Leistungen und Hilfen der verschiedenen Gesetzbücher, sondern auch an kontinuierlichen und passgenauen Angeboten für Kinder chronisch sucht- und psychisch kranker Eltern.

Die Antragstellerinnen und Antragsteller betonen in ihrem Schreiben die Handlungsnotwendigkeit für:

  • rechtlich verbindliche Konkretisierungen von Kooperationsangeboten (insbesondere zwischen SGB V, SGB VIII und SGB XII),
  • die Optimierung von Schnittstellen zwischen den Sozialgesetzbüchern,
  • die rechtliche Klarstellung der Vergütungen für die Netzwerkarbeit,
  • bundesrechtliche Regelungen zur Mischfinanzierung von komplexen Hilfebedarfen in Familien mit psychisch kranken Eltern.

Der AFET – Bundesverband für Erziehungshilfe e.V. befasst sich in seinem Ausschuss „Theorie und Praxis der Erziehungshilfe" seit mehreren Jahren mit dieser Thematik. Er widmete sich unter Beteiligung namhafter bundesweiter Fachleute der Situation von Kindern und Familien mit psychisch kranken Eltern in Expertengesprächen und Fachveranstaltungen.

 

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